Geschichte
Grödig
Der Untersberg gilt wegen der großen Stadtnähe zu Salzburg als ostalpines Zentrum in der
Entwicklung des neuzeitlichen Bergtourismus. Schon früh fühlt sich
städtisches Bürgertum aus Salzburg, Linz, Traunstein, Rosenheim und
München zu ihm hingezogen. Gleichzeitig gilt das Massiv wegen der bei
Nebel oder Schneetreiben sehr unübersichtlichen Plateaus, Dolinen,
großen Höhenunterschiede, vielen Steilwände und generell steilen
Anstiegswege als keineswegs leichtes Gebirge.
1901
gründet der Deutsche - und Österreichische Alpenverein die Alpine
Rettungsgesellschaft im Land Salzburg. 1903 richtet ihr Landesleiter
Rechtsanwalt Dr. Zeppezauer in der Gemeinde Grödig - Ortsteil
Fürstenbrunn die erste spezialisierte Melde- und Einsatzstelle ein, um
bei alpinen Unfällen auf dem vielbegangenen Untersberg effizienter
helfen zu können. Ausgestattet mit Ausrüstung und Sanitätsmaterial kann
der routinierte Bergsteiger Armin Hattinger als Mitbegründer weitere
beherzte Männer um sich scharen: Dr.med. Florian Reiter, Rupert
Stöllner, Josef Pichler, Franz Schwaighofer, Mathias Putz, Franz
Kühleitner und Simon Haslauer. Hattinger, der später stellvertretender
Obmann einer zweiten und freiwilligen Rettungsgesellschaft für den
Untersberg wird, hatte anfangs mit technischen und organisatorischen
Schwierigkeiten zu kämpfen. Diese weichen mit zunehmender Erfahrung. Es
gelingen dem Team erste höchst erfolgreiche Einsätze.
Erster Weltkrieg
Zu Beginn des
Ersten Weltkrieges müssen viele Grödiger Bergretter zur Armee
einrücken. Die Alpine Rettungsgesellschaft wird auf ein Minimum
reduziert. Schon bald nach Kriegsende beginnen die Pioniere von Neuem.
Anfang der zwanziger
Jahre beschließt der Deutsche - und Österreichische Alpenverein wegen
des allgemeinen Booms im Alpinismus den weiteren Ausbau des
Rettungswesens. In Grödig gibt es bereits die freiwillige
Rettungsgesellschaft, der viele junge und begeisterte Bergsteiger
angehören. Ihr erster Obmann ist Hermann Kohlstätter. Er vereinigt die
Alpine Rettungsgesellschaft des Alpenvereins in Fürstenbrunn mit der
freiwilligen Rettungsgesellschaft zu einer schlagkräftigen gemeinsamen
Mannschaft. Als neue Mitglieder werden Hans Kinz, Franz Kinz, Matthias
Kinz, Franz Haas, Hans Haas, Tobias Gruber, Franz Schmeisser, Hans
Bauer, Peter Walch, Alois Pichler und Rupert Beran aufgenommen. Andere
Namen sind nicht mehr zu recherchieren, weil Dokumente verloren gingen.
Nationalsozialismus: Umbenennung
Nach Machtübernahme der Nationalsozialisten (1938) in Österreich wird die
freiwillige Grödiger Rettungsgesellschaft aufgelöst und in
"Alpenvereins-Bergwacht" umbenannt. Das vorhandene Einsatzfahrzeug ist
eines der wenigen im ganzen Land Salzburg. Die Nazibehörden nehmen es
den Grödigern weg. Es wird für allgemeine Rettungszwecke in der Stadt
Salzburg und auf dem Gaisberg zwangsrequiriert. Die bestehende
Einsatzstelle Grödig der Rettungsgesellschaft stuft die neue Obrigkeit
zu einer "gehobenen Meldestelle" zurück. Sie wird von
Gendarmerie-Inspektor Fritz Peer geführt.
Während des Zweiten Weltkrieges teilt das Regime der "Alpenvereins-Bergwacht" eine
schwierige Aufgabe zu: Abgestürzte oder notgelandete
Flugzeugbesatzungen sollen - ungeachtet ihrer Nationalitdt - geborgen
und gegebenenfalls aus dem Hochgebirge ins Tal gebracht werden. Dazu
werden gute Bergsteiger von der Front abgezogen und in der Heimat zu
Gebirgssanitätssoldaten ausgebildet. Ab 1940 leitet Rupert Beran als
gut ausgebildeter Gebirgssanitätssoldat die Geschicke in Grödig. Er
hält sich aus politischen Wirren heraus und ist maßgeblich an der
Bergung vieler Bombenopfer (1944) und an vielen Gebirgseinsätzen
beteiligt, wie unser langjähriges Mitglied Anton Wallinger als
ehemaliger Kollege Berans und Zeitzeuge zu berichten weiß.
1946: Gründung des modernen Bergrettungsdienstes
Nach der Befreiung Österreichs vom Nationalsozialismus gestatten und fördern die
amerikanischen Militdrbehörden 1946 die Neugründung des
Österreichischen Bergrettungsdienstes als selbständigen Verein. Rupert
Beran baut die Ortsstelle Grödig auf und führt sie bis 1952. Danach
übernimmt Alfred Franz das Ruder. Die Ortsstelle bildet - mit Hilfe
neuer Rettungsgeräte und neu entwickelter Techniken - viele
Bergrettungsmänner aus, die auch aus anderen Gegenden stammen.
Ortsstellenleiter Franz übergibt die Leitung 1957 dann an Franz
Höpplinger. Durch viele Schulungsabende und Einsätze wird in dessen
Amtszeit ein sehr hoher Leistungsstandard erreicht.
Adolf Pichler
1969 folgt Adolf Pichler, dem wir zahlreiche Modernisierungen verdanken. Unter seiner
Leitung wird das neue Ausbildungszentrum der Grödiger in der örtlichen
Hauptschule eingerichtet. Die Ortsstelle erhält weiters eine neue
Einsatzzentrale im Zeughaus der Freiwilligen Feuerwehr. Einer
Initiative Pichlers folgt die Renovierung der vom Verfall bedrohten
Schwaigmühlalm auf dem Untersberg. Die Mannschaft steuert technisches
Können, Einsatzfreude und Fleiß beim Spendensammeln bei. Der
finanzielle Aufwand ist hoch. Leiter Pichler bemüht sich um neue
Einsatzfahrzeuge und eine stark verbesserte technische Ausrüstung. Er
kann als einer der wichtigsten Pioniere der Ortsstelle bezeichnet
werden. Adolf Pichler verdient als universeller Mann einen Ehrenplatz
in der österreichischen Bergrettungsgemeinschaft.
Richard Kinz
1991 übergibt er die bestens geführte Ortsstelle an Richard Kinz, der aus einer großen Dynastie von Bergsteigern stammt. Sie bringt einige Gründer und viele Mitglieder des Grödiger Bergrettungsdienstes hervor. Unter Richard Kinz passt sich die Ortsstelle an den technischen Fortschritt weiter an: Bohrgeräte für bombenfeste Sicherungshaken, neue Seilwinden, Computer und vieles mehr...
Während Kinz sich durch die Leitung seines Elektro-Fachbetriebes kaum noch Zeit für Hobbies nehmen kann, widmet er sich dennoch intensiv dem Bergrettungsdienst. Er organisiert und leitet zahllose Schulungsabende, Übungen, Weiterbildungen und Einsätze. Im Jahr 2000 übergibt er die Leitung an seinen Stellvertreter, der auch schon lange dabei ist: Bruno Tischlinger. Er hat die Aufgabe, die Ortsstelle den neuesten Anforderungen im Bezug auf Ausrüstung, Rettungstechnik und Anforderungsprofilen gerecht zu werden.
Bruno Tischlinger
Seit dem Jahr 2000
wird die Ortsstelle von Bruno Tischlinger geleitet. In dieser Zeit
fielen eine Reihe von großen Änderungen und Investitionen, die mit viel
Einsatz von den Mitgliedern unserer Ortsstelle bewältigt wurden.
So wurden im Jahr 2001
neue Anoraks und Hosen für die gesamte Ortsstelle erworben. Diese
Großinvestition wurde sowohl von der Herstellerfirma als auch von
neu gewonnenen Sponsoren großzügig unterstützt.
Im Jahr 2002
wurde mit dem Bau einer neuen Diensthütte auf dem Untersberg begonnen,
der deshalb notwendig wurde, da der Pachtvertrag für die
Schweigmühlhütte ausgelaufen war. Durch die tatkräftige Unterstützung
unserer Mitglieder und der Großzügigkeit des Grundeigentümers und
vieler Unternehmen konnte der Bau im Frühjahr 2003 feierlich eingeweiht
werden. Im September desselben Jahres wurde von unserer Ortsstelle das
100 jährige Jubiläum
der Bergrettung Grödig mit einem großen Festakt und anschließendem
Volksmusikkonzert gefeiert. Von den Gemeinden Grödig wurde uns
für den Winterdienst ein Skidoo zur Verfügung gestellt, der für
Rettungs- und Transportzwecke am Untersberg zum Einsatz kommt.
Als kleine Gegenleistung werden von unserer Ortsstelle in den
Gemeindegebieten Grödig und Anif Langlaufloipen gespurt und betreut.
Im Herbst 2003 erfolgte die Wiederwahl von Bruno
Tischlinger zum Ortsstellenleiter. Da die Anforderungen an die
Bergrettung sich laufend änderten, mussten auch in seiner zweiten
Amtszeit viele Neuanschaffungen getätigt werden. So wurden im Jahr 2004
für die neu gegründete ARGE Canyoning zwölf Bergrettungsmänner unserer
Ortsstelle mit einer kompletten Canyoningausrüstung ausgestattet. Diese
Großinvestition konnte nur mit Hilfe von Sponsoren finanziert werden,
die durch viel Einsatz seitens der Ortsstellenleitung und unserer
Mitglieder gewonnen werden konnten.
Auch die Planung und Durchführung des Neubaus einer Zeugstätte für
die Bergrettung Grödig nahm ab dem Jahr 2005
sehr viel Zeit und Arbeit in Anspruch. Auch hier erwiesen sich unsere
langjährigen sowie auch neu gewonnene Sponsoren als große Hilfe, ohne
die an ein Projekt wie dieses nicht gedacht hätte werden können.
Auch der Personalstand der Ortsstelle Grödig erhöhte sich in den
letzten Jahren von 34 auf 50 Mitglieder, wovon sich einige junge
Kameraden noch in Ausbildung befinden und in absehbarer Zeit als
vollwertige Bergrettungsmänner tätig sein werden. Im Jahr
2005 trat auch die erste Frau der Bergrettung Grödig
bei, welche sich zurzeit ebenfalls in Ausbildung befindet.
Die letzten Jahre haben deutlich gezeigt, dass eine freiwillige
Rettungsorganisation wie die Bergrettung ständig die Professionalität
und Effizienz steigern muss, um den Anforderungen im alpinen
Rettungswesen gerecht zu werden, was nur durch den persönlichen Einsatz
eines jeden gewährleistet sein wird. Auch eine entsprechend gute
Ausrüstung und Infrastruktur sind hierfür unabdingbare Faktoren.


